Was ist Psi?
Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Psi-Phänomene umschreiben Ereignisse, die nicht mit den bisher generell akzeptierten wissenschaftlichen Theorien erklärt werden können. Der Forschungsbereich der Parapsychologie versucht Theorien entsprechend zu erweitern und eine wissenschaftliche Untersuchung der Phänomene zu ermöglichen.
Typischerweise werden zwei Klassen von Phänomenen zu den Psi-Phänomenen gezählt:
( 1 ) Anomale Kognition bzw. außersinnliche Wahrnehmung umfasst Telepathie (eine Beeinflussung von Gedanken oder Emotionen anderer, z.B. das überzufällig erfolgreiche Raten, wer unangekündigt anruft), Hellsehen (Erhalten von Informationen ohne herkömmliche Sinneskanäle oder logisches Schlussfolgern, z.B. mit Hilfe des Remote Viewing (RV)-Protokolls), Präkognition und Vorahnung (eine Beeinflussung durch zukünftige Ereignisse, die nicht vorhergesehen werden können, z.B. Wahrträume, in denen von unvorhersehbaren Ereignissen des nächsten Tages, wie etwa einem Unfall, geträumt wird) und Retrokognition (unerklärbare Informationen über vergangene Ereignisse, z.B. über unbekannte historische Details).
( 2 ) Anomale Perturbation bzw. Psychokinese ist eine Beeinflussung physikalischer Objekte durch mentale Aktivität ohne mittelbare Prozesse wie etwa Muskelaktivität. Hierbei wird in der Regel zwischen Makropsychokinese und Mikropsychokinese unterschieden. Während ersteres die Beeinflussung von direkt beobachtbaren Objekten meint, wie etwa das Levitieren eines Tisches, bezieht sich die Mikro-Pk auf Beeinflussungen, die nicht direkt, sondern lediglich durch statistische Abweichungen beobachtet werden können. Üblicherweise werden hier die Ergebnisse von Zufallsprozessen verglichen, beispielsweise von quantenbasierter Zufallszahlengeneratoren wie bei den Tests, die Sie hier durchführen können.
Die wissenschaftliche Erforschung parapsychologischer Phänomene hat eine lange Tradition und hat in den letzten 100 Jahren eine Fülle von Forschungsergebnissen zusammengetragen. Eine Gesamtschau der sehr heterogenen Forschungsprojekte gelingt am Besten mit sogenannten Metaanalysen. Hier werden (möglichst) alle Studien zu einem Thema aggregiert und anhand Faktoren wie Teilnehmeranzahl oder Studienqualität vergleichbar gemacht. Natürlich können solche Metaanalysen nur veröffentlichte Studien berücksichtigen, oft wird dementsprechend von einem „File Drawer“-Problem gesprochen, also davon, dass nicht erfolgreiche Studien möglicherweise öfter in der Schreibtischschublade verschwinden und nicht veröffentlicht und berücksichtigt werden. Das Feld der Parapsychologie bemüht sich hierbei um ein sehr transparentes Vorgehen, beispielsweise durch die konsequente Veröffentlichung von Nullergebnissen oder das Adaptieren von Open Science-Prozessen, wie etwa dem Präregistrieren von Studien. Dem File Drawer-Problem kann aber auch statistisch begegnet werden, z.B. in dem errechnet wird, wie viele Studien mit unauffälligen Ergebnissen nötig wären, um den Effekt zu neutralisieren.
Die neuesten Metaanalysen der Psi-Effekte deuten insgesamt auf ein Vorhandensein dieser außergewöhnlichen Phänomene hin. Beispielsweise trugen Storm, Tressoldi und Di Risio (2012) 91 Studien zwischen 1987 und 2010 zusammen, die die Ratewahrscheinlichkeit eines Ziels innerhalb begrenzter Wahlmöglichkeiten („forced choice“) untersuchten. Die Metaanalyse zeigt dabei einen hochsignifikanten (p < 0.000001) aber kleinen (ES = .04) Effekt für ein überdurchschnittlich erfolgreiches Rateverhalten. Sie können einen solchen Test bei uns selber ausprobieren: » Herz-Ass
Eine andere Metaanalyse beschäftigt sich mit den Ergebnissen zur Mikropsychokinese. Bösch, Steinkamp & Boller (2006) untersuchten 380 Studien die sich mit der Beeinflussung von Zufallszahlengeneratoren beschäftigt haben. Auch hier wird ein insgesamt schwacher aber signifikanter (p < .05) Effekt gefunden, der sich nicht in Kontrollstudien zeigt, in denen keine Beeinflussung stattfinden soll. Versuchen Sie sich gerne selber an einem Mikro-Pk Test: » Punkte fliegen oder » Positive & negative Bilder.
Eine detaillierte Übersicht der wissenschaftlichen Evidenz für Psi-Effekte finden Sie in den folgenden Quellen (dort finden Sie auch Details zu den hier erwähnten Metaanalysen):
Storm, L. (2017). Meta-Analysis in Parapsychology. Psi Encyclopedia. London: The Society for Psychical Research. [Link]
Cardeña, E. (2018). The experimental evidence for parapsychological phenomena: A review. American Psychologist, 73(5), 663–677. [doi]
Psi-Phänomene sind äußerst umstritten und trotz der zahlreichen Hinweise auf die Existenz bestimmter Effekte geht der Wissenschafts-Mainstream diesen Fragestellungen weitestgehend aus dem Weg. Ein Grund hierfür liegt sicherlich in der Schwierigkeit, diese Phänomene mit den momentan allgemein akzeptierten Theorien zu erklären. Häufig wird argumentiert, dass sie nicht vereinbar seien mit den Grenzen der Physik oder dem Wissen über neuronale Prozesse.
Die Ansicht, dass solche Effekte aber möglicherweise bestehen und zumindest untersuchenswert sind, wurde von Nobelpreisträgern wie Albert Einstein und Max Planck (Physik) oder John Eccles und Santiago Ramón y Cajal (Neurologie) vertreten. Die Liste renommierter Persönlichkeiten, die ein Interesse an Psi-Phänomenen zeigen lässt sich beihnahe beliebig verlängern und enthält unter anderem Marie Curie, Wolfgang Pauli, David Bohm, John Bell, Eugene Wigner, Albert Schweitzer, Thomas Mann, Alan Turing, Gustav Fechner, Sigmund Freud und Carl Gustav Jung; eine gute Übersicht findet sich auf der Webseite der Psi Encyclopädie.
» Bedeutende Persönlichkeiten mit Interesse an Psi
Es bleibt zu erwähnen, dass eine hauptbeschäftigte wissenschaftliche Untersuchung der Phänomene in der Vergangenheit mit erheblichen Einschränkungen und dem Risiko einer Karriere undienlichen Laufbahn verbunden war. Für viele Beteiligte war es demnach eher ein sekundärer Forschungsbereich, der entweder eine einem Mainstream-Thema untergeordnete Rolle spielte oder erst im Alterswerk Beachtung fand. Die Argumente gelten überwiegend auch in der heutigen Zeit, auch wenn die Offenheit einer empirischen Auseinandersetzung mit Psi mancherorts zunimmt.
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Cardeña, E. (2015). Eminent People Interested in Psi. Psi Encyclopedia. London: The Society for Psychical Research. [Link]
Erkenntnisse der Psi-Forschung führen eher nicht zu Psychologen bisher gänzlich unbekannten Handlungsableitungen, liefern jedoch eine weitere Perspektive über deren Wirkungsweise. So ist beispielsweise das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeihung bekannt: Klassischerweise ist damit die Beeinflussung der sozialen Realität durch Vorhersagen auf Basis eigener Überzeugungen und Erwartungen gemeint. Ein Beispiel: Eine bewusste oder auch unbewusste Erwartung einen langweiligen Abend bei einem gesellschaftlichen Anlass zu erleben, führt ungesteuert zu Verhaltensweisen und einer interaktiven Dynamik, die dieser Erwartung entsprechen und damit wahrscheinlicher zu dem befürchteten Ergebnis führen.
Eine Psi-Erklärung würde nun hinzufügen: Möglicherweise beeinflussen unsere Erwartungen unsere erlebte Realität nicht nur durch unsere eigenen Handlungen. Forschung zu Mikro-Pk legt darüber hinaus nahe, dass wir ganz konkret auch jene Realitäten um uns herum in einem maximal konstrukltivistischen Prozess wahrscheinlicher als unsere erlebte Realität wahrnehmen, die unseren impliziten Vorstellungen entsprechen (z.B. Jakob et al., 2020). Der Abend ist also nicht nur langweilig, weil die anderen Gäste auf unseren unbewusst vermittelten gelangweilten Gesichtsausdruck entsprechend reagieren. Wir lassen aus der Fülle von unterschiedlichen Realitätsmöglichkeiten, die in unserer Zukunft liegen, auch jene wahrscheinlicher wahr werden, in der nichts aufregendes passiert. Wichtig hierbei: Es geht nicht darum, sich etwas zu wünschen, oder etwas zu imaginieren. Die Realitätsbeeinflussung funktioniert wahrscheinlich über unbewusste und emotional kodierte Prozesse: Ausschlaggebend ist der emotionale Gehalt unserer impliziten Überzegung.
Was ist also wichtig, um möglichst wünschenswerte Realitäten zu erleben? Ein positives Selbstkonzept, eine optimistische Grundhaltung, eine gelungene Affektregulation sowie ein flexibler und dynamischer Umgang mit Schwierigkeiten.
Ein weiteres Phänomen stellt die Intuition – das „Bauchgefühl“ – dar. Hier wird klassischerweise mit der unbewussten Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen argumentiert: Es gibt also neben dem bewussten (rationalen) auch ein unbewusstes Verarbeitungssystem. Letzteres ist jedoch nicht sprachlich verankert, sondern lediglich über Emotionen und affektive Impulse zugänglich. Z.B. können Menschen unbewusste Reize dann nützlich einsetzen, wenn man sie nach einer gefühlten Einschätzung fragt („Was gefällt dir besser?“), nicht jedoch wenn man sie nach einer durchdachten Einschätzung fragt („Was wird besser abschneiden“?) (Betsch et al, 2001).
Unerklärbar bleibt hier aber Intuition auf klassisch nicht ableitbare zukünftige Situationen, wie sie etwa in Wahrträumen stattfinden. Eine Psi-Erklärung kann diese Lücke schließen: In unbewussten Momenten ist möglicherweise ein Perspektivwechsel von der Frosch- in die Vogelperspektive möglich. Somit entsteht ein Zugang zum „Möglichkeitsraum“, der Informationen aus naheliegenden zukünftigen Realitäten beinhaltet. Sind diese Informationen relevant und können sie emotional kodiert werden, machen sie sich als affektive Impulse bemerkbar – das Bauchgefühl das Intuition oft kennzeichnet. So kann ein Wechsel von bewussten und eher unbewussten Momenten (z.B. die Nacht, in der man noch mal darüber schläft) zu neuen Einschätzungen und Ideen führen, die dem rationalen Geist verwehrt sind.
Hier möchten wir sie also für den Alltag ermutigen, ihr Bauchgefühl nicht zu ignorieren. Es steckt möglicherweise mehr dahinter als sie denken!
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Betsch, T., Plessner, H., Schwieren, C., & Gutig, R. (2001). I Like it but I Don’t Know Why: A Value-Account Approach to Implicit Attitude Formation. Personality and Social Psychology Bulletin, 27(2), 242–253.
Jakob, M-J., Dechamps, M. C., and Maier, M. A. (2020). You Attract what You Are:
The Effect of Unconscious Needs on Micro-Psychokinesis. Journal of Parapsychology, 84, 227-253.
Kurz und knapp: Höchst wahrscheinlich nicht. Allgemeine Beeinflussungseffekte sind äußerst gering und können die unglaublich unwahrscheinliche Realität des Lottogewinns wohl nicht spürbar verändern. Es gibt Versuche, Lottozahlen bspw. mit dem Remote Viewing-Protokoll vorherzusehen. Sollte es hier Erfolge gegeben haben, wurden sie zumindest nicht öffentlich gemacht.
Wenn Sie außergewöhnliche Erfahrungen gemacht haben oder machen, wie etwa Spuk oder Telepathie, und Beratung dazu benötigen, können Sie sich an die Beratungsstelle für Menschen mit außergewöhnlichen Erfahrungen des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V. (IGPP) wenden.
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